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Unfassbar was der Körper und die Beine können, wenn nur der Kopf will

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Über zwei Jahre ist es her, dass ich hier News geschrieben habe. Zu einfach ist es mittlerweile, Euch  auf Facebook schnell  auf dem Laufenden zu halten. So sind meine letzten News vom New York-Marathon 2013, mein letzter erfolgreicher Marathon.

Letztes Jahr bei der EM in Zürich musste ich ja verletzungsbedingt aufgeben, den Hamburg Marathon im Frühjahr konnte ich zwar in 2:32:44 beenden, aber in einer für mich sehr unbefriedigenden und desolaten Zeit. Schon in der damaligen Vorbereitung und während dem Marathon hatte ich wieder riesige Probleme mit meinem rechten Sprunggelenk. Ganz ehrlich, bisher bin ich eigentlich von großen Verletzungen verschont geblieben.  Jetzt schien es aber nach Hamburg so, dass ich das mit dem Fuß nicht mehr ohne Operation hinbekommen würde. So sollte es dann auch letztendlich sein und nach einer kurzen Suche nach dem richtigen Arzt bin ich zum Glück bei Prof. Dr. Thermann von der Atos-Klinik in Heidelberg  gelandet, der mich schließlich am 21.05.2015 operiert hat. Fünf Wochen konnte ich außer Alternativtraining und ein paar Schritten auf dem Antigravitations-Laufband nicht wirklich was bewegen. Und egal wie akribisch man versucht seine Form aufrecht zu erhalten, wer schnell laufen will, muss auch laufen.

Am 27.06. traute ich mir dann meine ersten Laufschritte auf festem Boden zu. Es wurde ein Dauerlauf von 6km im Schnitt von 5:12 Min/km!  Zwei Wochen später folgte mein erster 10km-Lauf beim Ermstal-Marathon, wo ich schon wieder in beachtlichen 34:59 Minuten gewinnen konnte. Aber glaubt nicht, dass ich da rund gelaufen bin – ganz im Gegenteil. Beim Einlaufen war mehr humpeln als wirklich laufen der Fall. Sobald man sich dann voller Adrenalin aber auf den Wettkampf konzentriert, geht es dann doch immer überraschenderweise. Auch die Tempoläufe, die ich dann in den zwei Wochen bis zu den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg absolviert habe gingen auch, aber Steigerungen ohne irgendwie zu Humpeln – „Fehlanzeige“!  Irgendwann muss man aber mal wieder anfangen und ein kleines Risiko eingehen. Risiko war deshalb auch die Deutsche Meisterschaft  über 5000m in Nürnberg, da ich ja haushoch und absolut nicht vorbereitet verloren hatte. Aber ich wusste wenigstens wo ich stehe und ab da stieg auch wieder die Hoffnung, dass ich dieses Jahr doch noch das kalkulierte Risiko „Marathon“ und Jagd auf die Olympianorm von 2:28:30 h eingehen konnte. Der Marathon musste aber so spät wie möglich und auch von der IAAF anerkannt sein. Die Wahl fiel also auf Valencia im November! Für Frankfurt war die Zeit absolut zu knapp, da ja noch Anfang Oktober die Military World Games in Südkorea auf dem Plan standen. Durch die Hin-und Rückreise und den Jetlag gingen mindestens zwei wichtige Trainingswochen verloren.

Was ich Euch vorenthalten habe ist, dass ich kurz vor der Abreise zwei Tage vor dem Halbmarathon in Schotten, wo ich ja meinen ersten langen Lauf über 40km absolviert hatte, im Training umgeknickt war. Aber nicht mit dem operierten Fuß, sondern mit dem linken Fuß. Nach dem langen Lauf bekam ich dann bei den nächsten Trainingsläufen entsetzliche Schienbeinbeschwerden, die immer schlimmer wurden. Hinzu kam dann noch die anstrengende und lange Reise Richtung Südkorea. In Südkorea konnte und wollte ich gar nicht mehr auf Asphalt laufen und freute mich da über einen riesengroßen Rasenplatz, wo sich alle Athleten tummelten. Am zweiten Tag wollte ich eigentlich noch ein leichtes Tempo-Programm absolvieren, aber da es so am regnen war, verschob ich das Training auf den Nachmittag und machte morgens nur einen kleinen Auftakt. Dieser Auftakt und jeder Schritt war so schmerzhaft, dass ich nach 4km aufgab und heulend zur Physiotherapie rannte.

Oh Mann, ich fühlte mich doch so fit!

Jetzt schon wieder ein Rückschlag! Es dauerte bis endlich eine Ärztin drüber schaute und mir absolute Ruhe verordnete und sagte, ich könne den Lauf am Montag noch machen, aber dann wäre meine Saison am Ende.  

Ich fiel aus allen Wolken und machte vor Ort wieder Land und Leute verrückt. Alle vermuteten eine Sehnenscheidenentzündung. Jeder, der dies schon mal hatte, weiß was dann zu tun ist…nämlich Ruhe und nix! Ach je! Es war Donnerstag und Montag das Rennen über 5000m. Ich wollte einfach noch nicht aufgeben. Zwei Tage machte ich nichts anderes als kühlen, rumliegen und wenn es ging zur Physio und über Nacht Salbenverbände. Fast jedem hatte ich schon daheim gesagt, ich werde das Rennen nicht laufen können und Dienstag unverrichteter Dinge wieder nach Hause fliegen und dann mal schauen, ob ich den Marathon überhaupt laufen könnte. Sonntag früh, einen Tag vor dem Rennen, sagte mir aber mein Gefühl – komm, DU musst wissen wo DU stehst, das Feld ist gut um mitzuschwimmen. Sonntag, einen Tag vorm Wettkampf, traute ich mich dann wieder 6km zu laufen. Naja, tat weh, aber ich weiß ja, wenn ich mal Adrenalin im Blut habe, dann sollte es doch wohl klappen. So war es auch. Jeder hatte mir abgeraten, keinem hatte ich daheim gesagt, dass ich jetzt doch laufe und so hatte ich natürlich noch mehr Druck! Ich wusste, entweder Du machst jetzt hier ein gutes Rennen und das Risiko lohnt sich oder Du hast nachher gar nichts in der Hand und das Schienbein ist erst richtig kaputt.

Das Rennen begann ganz komisch und langsam mit einem ersten Kilometer von 3:26 Minuten, aber dann ging die Post ab und ich setzte alles daran im Rennen zu bleiben! Ich sagte mir nur „Mocki, du musst hier eine Medaille holen, sonst haben nachher wieder alle recht gehabt!“ Was man dann für Energien frei machen kann, wenn man will, ist unglaublich und so holte ich Bronze und die letzten 4km lief ich in 12:10 Minuten. Nebenbei lief ich in 15:35 Minuten eine neue deutsche Jahresbestleistung. Noch einen Kilometer länger in diesem Tempo und ich wäre unter der Olympia-Norm über 5000m geblieben, die bei 15:15 Minuten liegt.

Mein Resümee danach: Ich bin immer noch schnell, es hat Spaß gemacht, es hat sich gelohnt und um die Schienbeinschmerzen kümmere ich mich daheim. Abschließend kann man sagen, dass dies mein größter Erfolg 2015 war. Die Schienbeinschmerzen bin ich dann bis zum Valencia-Marathon nicht mehr richtig losgeworden. In den ersten zwei Wochen habe ich dann auch noch mal lockere Einheiten auf dem Alter-G-Laufband oder auf dem Cross-Trainer absolviert, ansonsten hätte ich es nicht gepackt. Bei den Tempo-Einheiten und langen Läufen hieß es dann halt auch nochmal auf die Zähne zu beißen. Ich wollte Valencia wenigstens probieren. Die Schmerzen sind auch Stück für Stück erträglicher geworden und letztendlich auch keine Ausrede für mein Scheitern an der Olympia-Norm.  

Mein Problem waren wohl eher die vielen langen Läufe im Vorfeld, die mich müde gemacht haben, zudem blieb auch fast keine Zeit für Trainingseinheiten im Marathon-Renntempo und noch schneller. Man muss auch sagen, dass man in der kurzen Zeit doch nicht an allen wichtigen Schrauben drehen  konnte. Und mein Körper war einfach noch nicht bereit in der kurzen Zeit wieder von 0 auf 100 durchzustarten.

Ein Marathon im Januar oder Februar wäre womöglich perfekter gewesen, aber alles kann man nicht immer vorher wissen und irgendwann muss man es auch einfach versuchen und sich einen Tag X aussuchen, auf den man hinarbeiten kann. Erfolg ist zwar durch harte Arbeit planbar, aber alle Komponenten müssen mit eingerechnet werden.
Am Ende ist man auch nur ein Mensch – oder zum Glück!

So und jetzt kommen wir nun endlich zum Marathon…

Ich war schon sehr unsicher, weil ich ja im Vorfeld nun auch anders trainiert und mir keine Einheit wirklich das Gefühl gegeben hatte, das Ding rockst Du jetzt locker runter. Ich versuchte aber positiv zu denken und freute mich jetzt, dass es endlich losging und dieses ganze Überlegen über eine gute oder schlechte Form ein Ende hatte. Was diesmal wirklich nicht optimal war war die Toilettensituation vor dem Marathon. Uns wurde zugesagt, dass alle Top-Athleten um 8:10 Uhr die Möglichkeit hätten,  auf die Toiletten in der Messe zu kommen. Diese war aber abgeschlossen und so waren die wenigen anderen Toiletten natürlich restlos überfüllt. Ich lief mich also schon viel früher als geplant ein und als ich dann um 8:10 Uhr am Eingang der Messe stand, sah ich nur die Kenianer einlaufen. Jedoch keinen,  der uns die Tür hätte öffnen können. Shit, jetzt wurde ich nervös und rannte herum, um irgendwo noch eine Toilette ausfindig zu machen. Zu sehr hing mir noch mein Boxenstopp von Hamburg im Kopf und ich wollte auf keinen Fall aus diesem Grund wieder ein Rennen unterbrechen müssen. Der Marathon fing also schon vor dem Marathon an.

Unberechtigterweise fand ich noch eine Toilette im VIP-Bereich und hoffte, dass das wohl reichen würde. Tja, sollte es nicht! Bis Kilometer 19 lief das Rennen perfekt, die Strecke in Valencia war schnell und man hatte oft das Gefühl, dass man nur runter läuft und man es rollen lassen konnte. Ich stellte mir schon vor, wie glücklich ich im Ziel sein würde. Julian Flügel, mein Pacemaker, machte einen super Job und konnte immer gut einschätzen, wenn irgendwelche Männer um uns herum unrhythmisch liefen. Er wollte eigentlich, dass ich nicht auf die Uhr schaue und mich voll auf ihn verlasse. Bis KM 19 tat ich dies auch, dann musste ich aber leider auf die Toilette. Es war kein Kopfproblem, ich musste wirklich und schaffte es auch innerhalb von 30 Sekunden wieder am Laufen zu sein. Julian sagte, dass nichts verloren sei und wir es noch schaffen würden. Wir hatten nur die 2:28:30 im Kopf, sonst gar nichts! Wir forcierten das Tempo, um die verlorenen Sekunden wieder reinzuholen, doch das war womöglich auch mein Genickbruch. Wir gingen zwar beim Halbmarathon in 1:14:28 durch, aber nun durfte nichts mehr passieren und ab jetzt musste jeder Kilometer in 3:30min/km absolviert werden! Puffer hatten wir keinen mehr. Meine Atmung war jetzt auch schon nicht mehr die leiseste und ich wurde zunehmend unruhiger. Ich schaute immer mehr auf die Uhr! Bei der 25er Marke merkte ich dann, dass wir langsamer geworden waren, obwohl ich das Gefühl hatte, dass  wir mit mehr Aufwand liefen. Es ging jetzt Richtung Innenstadt leicht hoch. Ich sagte zu Julian: „Wir schaffen es nicht mehr, oder?“ Er erwiderte nur: „Komm, lass uns jetzt die Mädels einsammeln, die uns entgegen kommen!“ Oh Mann, das war aber doch nicht mein Plan.

Ich hatte doch nur einen Plan und der war die Olympia-Norm. Jetzt kam auch noch der schwierigste Teil des Marathons, es ging bis 31 immer leicht hoch. Wenn man aber weiß, dass es ab Kilometer 35 eigentlich immer wieder leicht bergab geht und dann einen ja noch der tolle Zieleinlauf erwartet, sollte man diesen Punkt wohl überstehen können. Tat ich aber nicht und bis Kilometer 31 verloren wir dann immer mehr die Sekunden. Prompt blieb ich stehen, drückte die Uhr ab und sagte zu Julian: „Komm, wir lassen es, wir schaffen es doch eh nicht mehr, lass uns lieber die Körner und Reserven für die Zukunft  sparen!“ Julian war total überrascht und ich bin froh, dass er nicht mit mir stehen blieb. Er sagte: „Hey, wir können noch unter 2:30 bleiben!“ Ich so: „Echt?“,… Ich war irgendwie total neben der Spur, zumal wir in dem Moment ja auch Sekunden verloren. So richtig wusste Julian auch nicht, was wir durch diesen Stopp letztendlich verloren hatten, aber mehr als eine Minute war es auf jeden Fall. Er hatte mich auch letztendlich überzeugt weiterzulaufen, weil er meinte, wir machen halt noch eine gute Trainingseinheit daraus. Aussteigen ist einfach das Dümmste, was man machen kann, aber leider wünscht man sich manchmal nur, dass der Schmerz und der Kampf aufhört. Also ging es wieder weiter im Text. Bei 33 kam dann auch noch Fatna Maraoui aus Italien förmlich an uns vorbeigeflogen. Kurzzeitig flog ich mit und sammelte somit wieder ein paar andere Läuferinnen ein, die ich kurz nach meinem zweiten dummen Stopp ja wieder verloren hatte. Ach, es war schwer und wenn man weiß, dass man sein gestecktes Ziel nicht erreichen kann, fühlt sich jeder Schritt gleich noch schwerer an. Wenn du im Kopf resignierst, resigniert förmlich auch dein Körper.

Ich ließ Sie dann doch ziehen und wollte nur noch irgendwie ins Ziel. Wir überholten noch eine Läuferin und Julian fing wieder an zu rechnen. Irgendwie kam es ihm in den Kopf, wenn wir Fatna doch noch bekommen, würde ich sogar noch Dritte werden….Boah, das war ja doch mal wieder eine Ansage! Ich fing wieder an zu kämpfen und lies meine Beine rennen. Mittlerweile hatten wir schon einen Rückstand von über 100m auf Fatna. Aber ich freute mich jetzt sogar, dass wir noch ein paar Kilometer hatten. Zeit, die wir brauchten, um uns wieder heran zu kämpfen. Mein Schritt wurde wieder dynamischer, meine Körperhaltung aufrechter, ich hatte wieder ein tolles Ziel vor Augen – „Dritte des Valencia-Marathon.“ Julian peitschte mich jetzt förmlich an und motivierte mich bis in die Haarspitzen.

„Komm, Du siehst besser aus, Du kannst das!“

Zwei Kilometer vor Schluss bekam ich nochmals einen Hänger und wollte Julian fragen, ob ich wirklich Dritte werden würde, wenn wir Fatna noch einsammeln. Ich verbot es mir wirklich zu fragen, weil ich genau wusste, wenn er stockt und es verneint, dann hätte ich wieder einen Gang rausgenommen . Ich war am Limit! Aber ich kämpfte weiter und 800m vor Schluss war es soweit. Ich hatte den Zweikampf gewonnen und flog mit Julian und unsichtbaren, aber fletschenden Zähnen an ihr vorbei und nahm ihr bis ins Ziel noch sechs Sekunden ab. Juhuuuuuh, unfassbar was der Körper und die Beine können, wenn nur der Kopf will. Im Ziel bedankte ich mich bei Julian und war froh, dass er mich so motiviert hatte und fiel ihm erschöpft und erleichtert in die Arme. Jetzt fragte ich ihn: „Und, bin ich Dritte?“ Er nur: „Weiß ich nicht wirklich!“ Ach schade, dachte ich im ersten Moment. Schnell erfuhr ich, dass ich „nur“ Fünfte war und ja, zu Beginn war ich darüber irgendwie traurig… Fünfter Platz und mit 2:30:44 war ich ja meilenweit von der Olympia-Norm weg. Was ein Kraftakt, was ein Jahr! Meine Traurigkeit wechselte aber schnell in ein Gefühl der Erleichterung um und so stellte sich doch eine gewisse Zufriedenheit ein. Zufrieden auch über die „erneute“ Erfahrung, was der Körper kann, wenn der Kopf nur will!!!!

Hätte, wenn und aber - Das gilt für mich nicht mehr, aber wäre die Norm bei 2:30:00, wie vor vier Jahren, dann hätte ich das schon gepackt. Das wäre für den Tag ein realistisches  und machbares Ziel gewesen. Ich bin an dem Tag einfach an den 2:28:30 gescheitert und hatte leider keinen Plan B! Zum Glück hat mir Julian zu Plan B verholfen und ich kann somit das Rennen und die Form viel besser einschätzen und analysieren. Diese Leistung nach der OP im Mai war rückblickend trotzdem für mich top und auch mein Doc hatte mir dies nicht zugetraut.

Ja, wie geht es jetzt weiter!? Natürlich habe ich mir mit meinem Team Gedanken gemacht. Zum einen bin ich erst mal froh, dass meine Schienbeinschmerzen komplett weg sind und freue mich in den nächsten Tagen das Training ohne Schmerzen wieder aufzunehmen.

Wie wird mein Frühjahr aussehen? Auf jeden Fall fällt die Entscheidung noch in diesem Jahr. Im Marathon hätte ich jetzt nur noch eine Chance, die Norm von 2:28:30 zu unterbieten. Das Wetter muss stimmen, der Tag muss stimmen und eine 2:28:30 läuft man halt auch nicht mal so nebenbei!  Eigentlich wollte ich auch auf keinen Fall einen Frühjahrs-Marathon laufen, deshalb der Versuch das  fast Unmögliche in Valencia zu schaffen. Zu dicht ist der Marathon dann schon wieder am Olympia-Marathon. Meine Bestzeiten bin ich immer gelaufen, wenn ich gut durch eine Saison gekommen bin und mindestens über 10km auf der Straße um die 32:30 Minuten und schneller gelaufen bin. Das würde also wieder heißen, schnellstens an sehr vielen Schrauben drehen.  

Über 5.000m bzw. 10.000m gibt es mehrere Chancen, die 15:15 Minuten oder 31:45 Minuten, die der DLV fordert, zu unterbieten. Und Südkorea hat mir gezeigt, dass ich es definitiv immer noch kann. Neben den Olympischen Spielen stehen nächstes Jahr auch noch Europameisterschaften in Amsterdam an, wo ich gerne meine langersehnte Medaille holen möchte. Deshalb muss die Entscheidung wohl und gut überlegt sein.

Ich habe meinem Körper nach der OP sehr viel abverlangt und kann froh sein, dass er so gut mitgemacht hat. Ich freue mich jetzt richtig auf die bevorstehenden Aufgaben und auch auf einen Saison-Abschluss beim Silvesterlauf in Backnang.    

Eure Mocki

Platz 7 beim New York-Marathon

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Drei Tage ist der Marathon in New York jetzt her und ...

ich bin immer noch überwältigt von den ganzen Eindrücken der letzten Tage und manchmal habe ich schon das Gefühl, dass ich das gar nicht selber war, die dort gelaufen ist und  überraschend Siebte in einem absoluten Weltklassefeld geworden ist.

Ganz ehrlich, es war nicht einfach für mich, mich nach meinem WM-Debakel in Moskau wieder aufzuraffen, neu zu motivieren und wieder voll auf das Training für New York zu konzentrieren. 10 Wochen hatten mein Trainer Pit und ich Zeit New York vorzubereiten und es war mal wieder eine schwierige Aufgabe…

Schwierig deshalb, da ich mich auf der nicht einfachen Strecke für die Europameisterschaften 2014 in Zürich qualifizieren musste und wollte! In Amerika wird aber auch ohne Pacemaker gelaufen und die Frauen starten 30 Minuten vor den Männern, somit wird auch ausgeschlossen, dass wir Frauen uns die ganze Zeit hinter den Männern im Windschatten verstecken können. Im Hinblick auf ein Meisterschaftsrennen, wo die Frauen ja auch alleine auf die Strecke geschickt werden, sehr gut, aber im Hinblick auf eine gute Zeit natürlich schwieriger je nach Rennverlauf und Wetterbedingungen. Mit dem schwierigen Streckenprofil ist New York generell auch keine Weltrekordstrecke, aber im Hinblick auf die Stimmung an der Strecke gehören sie mit nach ganz oben in der Riege der Marathons.

Die Vorbereitung lief aber gut und ich versuchte diesmal voll und ganz meinem Trainer zu vertrauen und genau das abzuarbeiten, was er mir auf den Plan schrieb. Ich gebe zu, oft habe ich gefragt, ist das jetzt nicht zu hart und manchmal sagte ich, wir müssen mehr machen und hier und da…! Aber irgendwann sagte ich mir, jetzt habe doch einfach mal Vertrauen in seine Arbeit und in Dich! Sollte es dann nicht so laufen, wie erhofft, dann kann man es immer noch nach dem Rennen klären, was gefehlt hat! So war schon die Vorbereitung für mich ein Balance-Akt „Geduld“ und positives Denken zu üben. Aber es funktionierte.

Wie immer macht man sich ja vorher Gedanken darüber, wie wohl das Wetter werden würde. Dann fragt man bei seinen Konkurrentinnen, was sie laufen wollen, welche Taktik sie haben! Aber das kann man sich auch sparen, es kommt doch immer anders als man denkt und so war es auch. Einen Tag vorm Start wussten wir genau, der Wind kommt von Norden und 90 Prozent der Strecke, die von Staten Island Richtung Manhattan führt geht Richtung Norden. Also sollten wir den Wind die meiste Zeit im Gesicht haben und der Wind hatte es mit bis zu 25 Km/h ganz schön in sich. Der Renndirektor David Monti versuchte uns in der technischen Besprechung am Samstag noch zu beruhigen, dass der Gegenwind, den wir beim Überqueren der „Verrazano-Narrows Bridge“ spüren würden, nicht der Wind sein würde, den wir auf der Strecke spüren würden. Er hat Recht behalten, aber der Wind war schon der Hammer. Einen Tag vorher studierte ich noch die Startliste und versuchte mir irgendwie auszurechnen, welche der Konkurrentinnen ich schlagen könnte und welche nicht! Bei dieser Rechnung hatte ich gar nicht so falsch gelegen. 9 Mädels hatte ich auf jeden Fall auf meiner Rechnung, die vor mir sein würden und hatte mir im allerbesten Falle einen 10ten Platz ausgerechnet, wenn alles gut laufen würde und nicht noch eine Athletin überraschen würde. Aber irgendwann schlug ich die Startliste auch zu und dachte mir… Jetzt renn einfach und dann sehen wir weiter! Ich will es nicht genau wissen, aber in der Nacht vor dem Rennen habe ich vielleicht eine Stunde geschlafen. Ich konnte nicht einschlafen, obwohl ich hundemüde war. Ich schaute nicht auf die Uhr um nicht noch nervöser zu werden… Und zu guter Letzt fingen irgendwann dann auch noch meine Oberschenkel an, weh zu tun! So was hatte ich noch nie erlebt! War das vielleicht die Saltin-Diät, die ich zwei Tage vor der Abreise nach New York in abgespeckter Form gemacht hatte  oder war das mal wieder der Kopf? Bestimmt! Ich redete mir ein, dass die Beine einfach wehtaten, weil sie endlich laufen wollten. Ich wollte keinen negativen Gedanken Platz machen. Aber ganz ehrlich, ich hatte schon wieder Bauchschmerzen und dachte, soll ich jetzt schon wieder Pech haben??? Oh Mann, was ist das!? Morgen gehen die Beine wieder bei 35 Km zu und nix geht mehr! Erinnerungen kamen hoch, als ich 2011 beim Frankfurt-Marathon noch bis Km 35 auf einem Kurs von 2:25 lag und dann auf einmal die Beine nichts mehr machen wollten und ich auf den letzten 7Km 3 Minuten verlor und im Ziel saft-und kraftlos zusammensackte. Ich versuchte schnell wieder positiv zu denken und irgendwann fand ich anscheinend dann doch meine Ruhe und wenn es nur eine halbe Stunde war, aber als ich vom Wecker wach wurde, war ich wie erschlagen. Aber die letzten Nächte hatte ich ja gut geschlafen und vor allem auch die vorletzte Nacht und das ist ja bekanntlich die Wichtigste. Also wieder positiv denken. Hey sagte ich mir:“ Du darfst heute beim New York-Marathon laufen, das bleibt für viele Menschen nur ein Traum in ihrem Leben, also jetzt reiß dich am Riemen und freue dich drauf!“ Um 6:30 Uhr wurden wir in 6 Bussen Richtung Staten Island gefahren und ich hatte schon Tränen in den Augen, als ich mich von meinem Freund und meinem Manager verabschieden musste und wir uns erst wieder im Ziel sehen würden. Irgendwie komisch! Ich war überwältigt als ich die Verrazano-Bridge sah und dachte „Ach herrje, da müssen wir gleich erst mal hoch laufen“. Dann ging alles schnell, der Startschuss fiel pünktlich um 9:10 Uhr und wir setzen uns in Bewegung. Ja, so kann man es nennen! Außer Buzunesh Deba und der späteren Achten Tigist Tufa Demisse, die sich direkt vom Hauptfeld absetzten, liefen wir ein Dauerlauf-Tempo die Brücke hoch und niemand wollte Tempo machen. Und ich hatte mir vorher geschworen, diesmal bleibst Du beim Hauptfeld, versucht so oft im Windschatten zu laufen, wie es geht und reagierst nur, wenn was passiert. Beim Boston-Marathon hatte ich schon den Fehler gemacht, zu glauben, ich könnte auf einem welligen Kurs mit Gegenwind eine Bestzeit alleine laufen. Irgendwann muss man ja mal aus seinen Fehlern lernen. Dass wir aber die 5Km-Marke nur in knapp 19 Minuten überquerten machte mich doch etwas unruhig und ich dachte, was soll das jetzt werden. Der Wind war aber so stark und es war echt eine Wohltat, dass unsere Gruppe so groß war und ich mich immer wieder verstecken konnte. Die 1oKm-Marke passierten wir in 36:54 Minuten, dass beruhigte mich schon etwas mehr, da wir jetzt einen guten Laufrhythmus gefunden hatten und wenigstens ein bisschen schneller. Heute wurde meine Geduld echt auf die Probe gestellt und das braucht man ja „leider“ für einen Marathon. Bis zur Halbmarathon-Marke konzentrierte ich mich auch eigentlich nur darauf schön dranzubleiben, die Stimmung zu genießen und einfach nur mit zu schwimmen. Übrigens war die Stimmung der absolute Hammer, so eine Lautstärke am Rande eines Rennens habe ich echt noch nicht erlebt. Einmal habe ich mir fast die Ohren zuhalten müssen. Wahnsinn! Bei KM 15 kam ich leider nicht an meine Flasche ran, so dass ich die Amerikanerin Amy Hastings fragte, ob ich was von ihr trinken könne. Sie half mir direkt aus, was ich super nett fand. Kurz vor Km 20 lief ich dann etwas vorm Feld um beim nächsten Mal auch sicher an meine Flasche zu kommen. Ich hatte Kamillen-Tee mit Honig und einer Prise Salz gemischt und damit bin ich super zurechtgekommen. Ab Km 30 habe ich dann Red Bull mit Wasser gemischt und das war auch die richtige Entscheidung. Das erste Mal, dass ich wieder anfing den Kopf einzuschalten war als wir auf der Pulaski Bridge die Halbmarathon-Marke erreichten. 1:16:04  stand auf der Uhr! „Oh no“, dachte ich, jetzt sind noch so viele Mädels in der Gruppe, die schwierigere zweite Hälfte steht jetzt bevor und die Norm für die Europameisterschaften ist 2:31:30 Minuten. Mir ging schon die Schlagzeile durch den Kopf“ Mockenhaupt verfehlt EM-Norm in New York! „Warum musste ich auch wieder in New York laufen? Schwierige Strecke und ohne Pacemaker!“ schnellte es mir durch den Kopf, aber schnell versuchte ich wieder positiv zu denken und sagte mir:“ Denk an eine Top-Platzierung hier und konzentriere Dich“! So langsam spürte ich auch schon die Nervosität bei den anderen Mädels und es wurde unruhiger. Und dann kam sie, die entscheidende Wende im Rennen…es ging die Qeensboro Bridge hinauf. Ich wählte ein ruhigeres Tempo und lies die Mädels erst mal laufen. Hier trennte sich die Spreu vom Weizen und die große Gruppe zerfiel im Nu. Christelle Daunay, Valeria Straneo,  Edna Kiplagat, Kim Smith , Jelena Prokopcuka, Diane Nukuri-Johnson und Priscah Jeptoo waren enteilt. Ich rechnete kurz, auf welchem Platz ich war und sagte mir:“ Ok, die Zeit kannst Du schon mal abhaken, aber Platz 10 in New York wäre ja trotzdem super, jetzt musst Du Dich nur noch durch kämpfen. Als wir dann auf die First Avenue einbogen und von den Menschenmassen förmlich angepeitscht wurden, sagte ich mir: “Nein, du kannst noch mehr kämpfen, da geht noch was!“ Ungefähr 30 Meter vor mir liefen jetzt Smith und Nukuri-Johnson auch alleine und versuchten sich gegenseitig Windschatten zu geben. Ich hatte nur ein Ziel…Irgendwie musste ich an die Beiden heran kommen, damit ich auch nochmal im Windschatten laufen konnte. Es dauerte dann bis Km 30 bis ich endlich wieder an die  zwei herangelaufen war. Den letzten 5Km-Abschnitt hatte ich dann überraschend in 16:41 Minuten zurückgelegt und diese Tempoverschärfung merkte ich schon. Kurz dachte ich an meine Beine, aber sie fühlten sich zu meiner Überraschung trotzdem noch gut an, also sagte ich mir wieder:“ Nicht denken, weiterlaufen!“. Gemeinsam pushten wir uns nun durch die Bronx und ich merkte, dass die anderen auch müde waren. Insgeheim hoffte ich auch, dass wir noch an die Gruppe mit der späteren Dritten Prokopcuka, der Vizeweltmeisterin Straneo und Christelle Daunay, die sogar noch alle 5 Jahre älter als ich sind herankommen würden. Jedoch auch sie begannen jetzt  um die Plätze zu kämpfen und die amtierende Weltmeisterin Edna Kiplagat musste abreisen lassen! Wow, dachte ich, die bekommen wir auf jeden Fall. Noch vor der Madison Avenue Bridge, die wieder aus der Bronx Richtung Manhattan führt, konnten wir Edna einholen und hinter uns lassen! Wow, wieder ein Platz besser. Es geht ja doch. Auch Diane wurde müde und ich merkte, dass ihr Schritt nicht mehr rund war und ganz ehrlich, ich wollte Diane gerne hinter mir lassen, da sie mich in Boston einen Kilometer vorm Ziel überholt hatte und ich nicht mehr in der Lage war Gegenwehr zu leisten oder mit ihr zu laufen. Außerhalb des Renngeschehens verstehen wir uns aber super. Aber Wettkampf ist Wettkampf! Ich schaffte es auch ihr zu enteilen und war jetzt mit Kim Smith unterwegs. Natürlich wollte jetzt keiner mehr dem anderen Windschatten geben und so lief sie links und ich rechts auf der Straße Richtung Central Park hoch. Jetzt merkte ich natürlich auch meine Beine und zu gerne hätte ich mal hinter mich geschaut, wie weit der Abstand mittlerweile zu den anderen Mädels  war. Aber nein, ich verbot es mir regelrecht nach hinten zu schauen, da es ein Zeichen von Schwäche ist und den Läufer hinter einem doch noch mal einen Motivationsschub geben könnte. Irgendwann konnte ich auch an den Anfeuerungsrufen der Zuschauer erkennen, dass die Konkurrentinnen hinter mir doch schon weiter weg sein müssten. Kim Smith gab alles und ich kam nicht mehr an sie ran, aber es tat gut, eine Konkurrentin zu sehen und sich innerlich an sie heranzubeißen. Ab KM 35 hatte ich auch realisiert, dass ich noch eine Zeit unter 2:30 laufen könnte und so machte sich zum ersten Mal Glück in meinem Kämpferherz breit und ich versuchte auch die Anstiege im Central Park anzunehmen und bis auf`s Letzte zu beißen. Ich kämpfte innerlich gegen die vielen Kritiker, die mir solch ein Rennen in New York, bestimmt nicht zugetraut hätten. Die letzten 2,2 Km bis zum Ziel gehen dann nochmals leicht hoch und der Gegenwind zeigte sich wieder von seiner besten Seite, aber die Zuschauer am Rand, wo ich auch einige deutsche Stimmen hören konnte trugen einen förmlich Richtung Ziel und es machte sich ein Lächeln auf meinen Lippen breit, was ich bis zum Ziel nicht mehr verlor! Die größte Belohnung war dann noch, dass ich 200m vor Schluss die lange auf Platz zwei laufende Tigist Tufa Demisse einholen konnte und somit noch auf einen siebten Platz vorrücken konnte. Waaaahnsinn! Im Ziel sackte ich direkt auf dem Boden und küsste instinktiv den Boden! Es war einfach ein tolles Erlebnis für mich.

Abschließend kann ich sagen, es war genau die richtige Entscheidung mit New York! Es war eine sehr große Herausforderung und ich habe es endlich nochmal meinen Kritikern gezeigt.  Was aber viel entscheidender an der Sache ist, ich konnte endlich noch mal meinen Selbstzweifeln davon laufen und habe gemerkt, dass ich es noch kann. Ich bin nicht nur Trainings-Weltmeisterin, nein, ich kann es auch Im Wettkampf. Ich habe es auch geschafft meine negativen Gedanken sofort in positive Gedanken umzuwandeln. Vielleicht hat mir da auch das große Lesebuch des positiven Denkens mit dem Titel „Glück ist kein Zufall“ geholfen. Mir ist zum ersten Mal aufgefallen, dass ich mir immer gesagt habe, „Jetzt sind es nur noch 15, 10 oder 5Km…!“ und nicht „Jetzt muss ich noch…!“  Am Ende ist es egal, da ich jetzt endlich noch mal ganz viele positive Eindrücke sammeln konnte und die werden jetzt erst nochmal helfen. Es war ein wichtiger Schritt in Richtung Marathon, denn eine richtige Marathonläuferin bin ich immer noch nicht, aber auf einem sehr guten Weg dorthin! In diese Riege würde ich eher allesamt die drei Europäerinnen, die noch vor mir waren, sehen. Sie sind, wie schon gesagt, alle mindestens 5 Jahre älter als ich und das lässt mich hoffen. Aber ich konnte lange in New York auf Augenhöhe mit ihnen laufen, und ich konnte lernen, dass sich Geduld am Ende auszahlt und ein Marathon auch wirklich erst nach 42,195 Km zu Ende ist.

In diesem Sinne

Eure Mocki

 

Deutsche Meisterin 10 Km Straße

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Am 21.9.2013 konnte ich im beschaulichen Bobingen, in der Nähe von Augsburg meinen Titel über 10Km auf der Straße

souverän mit fast zwei Minuten Vorsprung vor Corinna Harrer von der LG Telis Finanz Regensburg verteidigen! Das „Coco“ so weit hinter mir war, liegt aber eher daran, dass sie jetzt erst wieder mit dem Aufbau für die neue Saison begonnen hat.

Mir ging es gestern auch gar nicht darum, wie weit würde ich vor den anderen sein. Nein, mir ging es darum, meinen Ausstieg von der WM von Moskau zu verarbeiten! Und ganz ehrlich, das ist ein langer Prozess und nicht immer so einfach wie es erscheint! Aber der Reihe nach…

Ich befinde mich ja gerade voll in der Vorbereitung auf meinen Herbstmarathon in New York und die 10Km-Meisterschaft hatten wir vor der WM nicht in unserem Trainingsplan eingeplant! Vielmehr wollten wir nach der Militär-EM, die ich letzte Woche über 5000m in Warendorf gewinnen konnte, einen intensiven Trainingsblock im Bundesleistungszentrum in Kienbaum einbauen. Nach meinem Ausstieg war mir aber klar, ich brauche schnell ein Rennen über 10Km um meinen Ausstieg zu verarbeiten!  Ja, ich brauche ein kleines Erfolgserlebnis! Es ist mittlerweile der 37te Deutsche Meistertitel und man könnte meinen, ich würde mich nicht mehr darüber freuen oder es als selbstverständlich ansehen! Nein, jeder Meistertitel hat seine eigene Geschichte und gehört dazu und muss auch erst mal erlaufen werden. Und wie gesagt, nur wer am Start steht, kann ihn auch gewinnen, bzw. verteidigen. Ich hatte auch meinen Trainer gesagt, dass ich mich in Kienbaum schwarz ärgern würde, wenn wir einen Tempodauerlauf machen und ich dann höre, dass der Titel in der Durchgangszeit über 10Km weggehen würde, welche ich dann alleine im Training gelaufen wäre. So zogen wir also das Training bis zur Militär-EM durch und nahmen erst in der letzten Woche im Training raus, um etwas Frische in die Beine zu bekommen. Meiner Meinung nach sind auch bestimmte Wettkämpfe viel gewinnbringender für die Weiterentwicklung als immer nur vor sich alleine her zu trainieren.

Kienbaum war aber gebucht und es war auch wichtig, dass ich mich dort mit meinem Trainer traf, da wir doch einiges zu besprechen hatten und es immer besser ist, man sieht sich auch mal im Training, als wenn man alles am Telefon beredet. Also buchte ich kurzerhand zwei Flüge von Berlin nach München und mein Vater holte uns gemeinsam mit meinem Bruder Markus am Freitagmittag am Flughafen in München ab und dann ging es noch ca.  90 Km in Richtung Bobingen und gestern Abend flogen wir dann gegen 19:45 Uhr nach Berlin wieder zurück und waren gegen 23 Uhr wieder in Kienbaum und auch mein Vater und mein Bruder waren unterdessen wieder in meiner Heimat Siegen angekommen! Ein ganz schöner und logistischer Kraftakt, der sich aber gelohnt hat und wichtig war. Denn gestern im Rennen habe ich nicht nur einmal an den Ausstieg bei der WM gedacht.

Ja, was hatte ich mir vorgenommen…? Natürlich zu gewinnen, aber ich wusste, dass Corinna noch nicht richtig fit war und sonst hatte ich niemanden auf der Rechnung, der mir den Sieg streitig hätte machen können. Also hatte man schon einen gewissen Anspruch an die Zeit! Ich weiß, dass ich nach wie vor sehr fit bin und meine Formkurve wieder nach oben steigt! Letzte Woche konnte ich aus dem vollen Training 15:58 Minuten über 5000m laufen und dort bin ich eher taktisch gelaufen. Mit meinem Trainingspartner aus Siegen hatte ich auch über eine Zeit gesprochen und gerne wären wir beide nochmals unter der magischen 32-Minuten-Marke geblieben. Natürlich wusste ich aber, dass das alleine sehr schwer werden würde und mal wieder ein zu hochgestecktes Ziel. Die Strecke in Bobingen war zwar jetzt nicht die Langsamste, aber wahrlich auch keine Rennpiste. Ich fände es auch gut, wenn die Frauen mit den Männern starten würden, dann wäre es vorne nicht immer ein einsames Rennen gegen die Uhr! Naja, kann man nichts machen! Da musste ich durch und zwar ab 500m nach dem Startschuss auch alleine, denn keine konnte mir folgen. Die 5Km ging ich in 16:09 Minuten durch und spätestens jetzt fing mein Kopfkino wieder an zu arbeiten! Schade, es wird schwer mit einer Zeit unter 32 Minuten und nicht nur schwer, sondern unmöglich, da es auch unterwegs teilweise windig war und die wellige Strecke, wie gesagt, seine Tücken hatte. Ich nahm ein Wohlfühltempo an, was mich natürlich anstrengte, aber jetzt nicht mehr so intensiv war, wie anfangs, da ich ja mein Ziel unter 32 Minuten zu laufen, nicht mehr schaffen würde. Ich pendelte mich bei Kilometer-Abschnitten um 3:17 Min/km ein und hielt dieses Tempo dann auch bis ins Ziel bei, wo ich dann für die zweite Hälfte 16:25 Minuten benötigte. Da hat mein Bruder Markus sein Rennen schon deutlich besser eingeteilt! Er kam auf eine Zeit von 33:07 Minuten, wo er die ersten 5Km in 16:40 Minuten absolvierte und dann „nur“ noch 16:27 Minuten für die zweite Hälfte drauf packte. Mein Trainingskollege aus Siegen ist leider ausgestiegen, da ihm, wie mir, ab Km 6 die Zeiten entgegen kamen und er realisieren musste, dass er es auch nicht unter 32 Minuten schaffen würde! Ja und da sind wir leider wieder beim Thema Ausstieg, was übrigens gestern ganz vielen wiederfahren ist.  Gestern Abend bin ich dann nochmal ganz viele meiner Ausstiege im Kopf durchgegangen und meistens oder eigentlich immer ist man ausgestiegen, wenn man ein bestimmtes Zeitziel vor Augen hatte, was man im Vorfeld nicht den äußeren Bedingungen, den Streckenverhältnissen oder gar dem Rennverlauf angepasst hat. Irgendwann wird es ja immer schwer, aber dann noch schwerer, wenn man nicht das realisiert, was man meint, was man könnte! Auch ich war gestern ab Km 7 wieder in der Phase, wo es noch eine lange harte letzte Runde werden würde und ich wusste, Du musst Dich jetzt durchbeißen, auch wenn die Zeit nicht das ist, was Du kannst und was Du Dir vorgenommen hast. Und als der Moderator eingangs der letzten Runde sagte, jetzt hat sie „nur“ noch 2200 m zu absolvieren, da war mir bewusst, das waren genau die 2200m, die ich noch hätte absolvieren müssen,  als ich bei der WM in Moskau ausgestiegen bin! Diese 2200m waren gestern die härtesten 2200m in diesem Jahr, aber ich habe sie geschafft und war nachher glücklich im Ziel und nach ein paar Minuten auch glücklich mit der Zeit von 32:34 Minuten im Alleingang. Es war die richtige Entscheidung in Bobingen zu laufen und mit dieser positiven Energie starte ich den nächsten harten Trainingsblock für New York und um dort mein Ziel die EM-Norm von 2:31:30 Minuten abzuhaken. Das ist natürlich auch wieder ein Zeitziel, aber dennoch auch auf der nicht einfachen Strecke von New York ein realistisches. Der letzte Zwischenstopp vor New York wird der Halbmarathon in Köln sein, der am 13.10.13 stattfindet! Ich freue mich auf Köln und alle „Jecken“, die wieder mitlaufen! Das Ziel liegt je endlich wieder am Kölner Dom und darauf freue ich mich jetzt schon am meisten!

Bis dahin

Eure Mocki

 

 


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